2007-08-11 19:54:12

Bluetooth wird salonfähig

Die Übertragungstechnologie Bluetooth ist jahrelang kaum beachtet worden. Nun steht sie vor dem großen Schritt in den Massenmarkt.

Fritz Katz

Druckversion

 

 

Die Drahtlostechnologie Bluetooth feiert das fünfjährige Jubiläum ihrer Markteinführung. „Dennoch steht stehen der Technologie die größten Erfolge noch bevor“, sieht die Branchenvereinigung Bluetooth SIG ihr „Baby“ derzeit in einer ersten Phase vor dem großen, weltweiten Erfolg am Massenmarkt. Einschlägige Prognosen verheißen der drahtlosen Verbindung, die bis dato vornehmlich bei Mobil-telefonen und kabellos verbundenen Kopfhörern (Headsets) eingesetzt wird, eine goldene Zukunft. Bis zum Jahr 2008, so die Einschätzung, wird jedes zweite Handy Bluetooth an Bord haben. Am Headset-Markt soll die Unter-stützung dann nahezu umfassend sein: Jedes Gerät, das drahtlos mit Handy, PC, Organizer oder MP3-Player verbunden ist, wird dann mittels Bluetooth funken.

 

 

Verhaltener Start, fulminantes Finale

Begann die Entwicklung von Bluetooth bereits 1994 bei Ericsson – man versuchte, Kabel zwischen Mobiltelefonen und Zusatzgeräten zu er-setzen - kamen die ersten marktreifen Geräte nach einigen Verzög-erungen im Jahr 2000 auf den Markt. Seitdem hat Bluetooth eine Imageproblem: es ist zwar an vielen mobilen Endgeräten implemen-tiert, wird aber kaum benutzt. Das Desinteresse der Nutzer ist nach Ansicht der Experten aber bald passé. An einer wesentlichen Vision zukünftigen Kommunikationsverhaltens scheint kaum noch zu rütteln sein: Elektronische Geräte, die wir am Körper tragen, werden bald zu einem kleinen, feinen Netzwerk verbunden. Dieses lokale Minigeflecht hat einen Namen: Personal-Area-Network, kurz PAN. Vernetzt sind dabei etwa Mobiltelefon, Headset, Organizer, Unterhaltungsmodule wie ein Music-Player, vielleicht noch eine lokale Festplatte und eine Digital-kamera. Schön wird diese Welt sein, denken sich technikfreudige Visionäre. Beobachtetes wird dann permanent aufgezeichnet, gespeichert, bewahrt und wiedergegeben. Bluetooth übernimmt in einem solchen PAN dann die Rolle des drahtlosen Datenverkehrs zwischen den einzelnen Modulen. Das PAN wird so zu einem Wireless-PAN. Pessimisten geben Bluetooth eine Lebensdauer von weiteren fünf Jahren, bis es um 2010 von einer Nachfolgetechnologie abgelöst wird. Die Lobbyisten von Bluetooth SIG sind optimistischer. Sie sehen ein wahrscheinliches evolutionäres Ende nicht vor 2020. Denn selbst Bluetooth ist in seinen Spezifikationen noch weiter entwicklungsfähig. Ende 2004 konnte zunächst die Geschwindigkeit von einem Megabit pro Sekunde auf drei Megabit erhöht werden. Weitere Beschleunigungen werden folgen.

 

 

Historische Herkunft

Der Name Bluetooth ist wie sein Erfinder Ericsson skandinavischer Herkunft. Der Ausdruck stammt vom dänischen König Harald Blauzahn (dänisch: Blåtand), dem es im Mittelalter gelang, Schweden, Norwegen sowie große Bereiche Dänemarks unter seiner Herrschaft zu vereinen. Die Idee bei Ericsson: So wie König Blauzahn die Skandinavier einte, soll Bluetooth die Landschaft der Kommunikation elektronischer Kleingeräte einen. Technisch gesehen ist ein wesentliches Ziel der Entwickler, die Endgeräte ohne mühsame Konfiguration durch den Benutzer miteinander kommunizieren lassen zu können. Ein Bluetooth-Master in einem Netzwerk kann mit bis zu sieben weiteren Teilnehmern (Slaves) gleichzeitig kommunizieren.

 

 

Weitreichender Einsatz

Derzeit sind Freisprecheinrichtungen für Mobiltelefone der häufigste Grund, Bluetooth zu benutzen. Sei es mit futuristisch anmutenden Headsets in der Straßenbahn, als auch am Steuer eines Autos: dank König Blauzahn sind die Hände frei für Aktentaschen und Haltestangen respektive Lenkrad und Schaltknüppel. Seinen Aufschwung hat Bluetooth vor allem den Vorschriften vieler Ländern zu verdanken, Mobiltelefone am Steuer eines Autos nur noch mit Freisprecheinrichtung verwenden zu dürfen. In den USA, die in Sachen Bluetooth-Nutzung etwas hinter den Europäern herhinken, erfährt die Drahtlostechnik dadurch derzeit einen wundersamen Frühling. In bereits 20 Bundes-staaten wird eine Verpflichtung zur Verwendung von Freisprecheinricht-ungen angedacht oder wurde bereits eingeführt. Damit steht auch dem Siegeszug des europäischen Standards in Übersee nichts mehr im Wege. Die Autoindustrie hat mittlerweile sogar einen weiteren Schritt gesetzt und Bluetooth in die Fahrzeuge selbst integriert. Die Bluetooth-Konsole im Armaturbrett des Wagens nimmt dabei mit Zündung des Motors die Verbindung mit dem Handy auf. Telefoniert wird dann über das her-kömmliche Lautsprechersystem im Wagen, das lediglich mit einem Mikrofon erweitert wurde.Im trauten Heim, im Heimnetzwerk der Analysten (die uns eine technologisch schwergewichtige Zukunft fix versprechen), soll dann Bluetooth als Schnittstelle zwischen dem PAN und dem Wirless-Local-Area-Network (WLAN) dienen. Dabei überträgt die Blauzahntechnik beispielsweise Fotos von der Digitalkamera oder dem Handy an den PC. Dort findet dann der weitere Datenverkehr mit anderen Computern im Haus oder Internet mittels WLAN statt. Bluetooth bleibt dabei eine Nischentechnologie mit einem speziellen Nutzen: die schnelle Daten-übertragung über kurze Distanzen. Laut Spezifikation sind dabei die Übertragungswege nicht mehr als zehn Meter lang. Unter speziellen Bedingungen werden Bluetooth-Verbindungen allerdings auch im Freien in größeren Distanzen eingesetzt. Etwa in der Industrie, die Spezial-geräte wie etwa rotierende Motoren mittels Bluetooth steuert. Dank spezieller Eigenschaften eignet sich hier Bluetooth bereits besser als andere Drahtlostechnologien.

 

(Quelle: bizzmail)