2006-02-06 11:24:29

Breitbandmarkt hebt ab

Nach Jahren verhaltenen Wachstums gab es 2005 einen handfesten Zuwachs im bis dahin regressiven Festnetzbereich.

Michael Reisner

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Jahrelang lag das Wachstum des österreichischen Breitbandmarktes aufgrund zu hoher Einstiegspreise im europäischen Vergleich hinten. 2005 gelang es erstmals, dank attraktiver DSL- und Mobilfunkangebote einen Zuwachs an Breitbandanschlüssen von fast 440.000 zu erreichen. Hierzu trugen die mobilen UMTS-User bereits mit 26 Prozent am Gesamtwachstum bei.

Der Studie „Fixed line market Austria, Status and Future Developments” von Arthur D. Little zufolge, in der die Entwicklung des Österreichischen Festnetzmarktes untersucht wurde, kam es 2005 in diesem Segment zu einer Wachstumsrate von +39 Prozent, was für bisherige österreichische Erfahrungen einen Spitzenwert darstellt.

Die aktuelle Situation am österreichische Festnetzmarkt war 2005 grundsätzlich von drei Entwicklungen geprägt:

  1. Der Breitbandmarkt in Österreich erzielt bisher ungeahnte Wachstumsraten
  2. Die Konsolidierung am österreichischen Telekommunikationsmarkt nahm 2005 ihre Fortsetzung.
  3. Die Cash-cow „Sprache“ wird zukünftig weiter vom Mobilfunk kannibalisiert; Entwicklungen in Richtung VoIP werden die Erosion dieses Geschäftsfeldes weiter vorantreiben.

Diese Entwicklungen wurde hauptsächlich durch attraktive Breitband-Einsteigerprodukte mit geringen monatlichen Entgelten erreicht (Angebote unter 20 Euro monatlich mit Downstream Raten bei ca. 384kbit/s). Auch die mobilen Lösungen via UMTS erlebten 2005 einen enormen Anstieg und hatten Ende des Jahres nahezu 10% Anteil an der gesamten Breitbandpenetration.

„Stetig steigende Bandbreiten für mobile Breitbandanschlüsse werden den Trend zu mobil zukünftig auch auf den Breitbandbereich ausweiten“, erklärt Dr. Karim Taga, Managing Director und Telekommunikationsexperte von Arthur D. Little Austria. Ein Beispiel dafür sei die von Mobilkom Austria erst kürzlich gelaunchte HSDPA mit bis zu 1,8Mbit/s Daten-Übertragungsrate.

Auch international war 2005 durch einen enormen Zuwachs an Breitbandanschlüssen geprägt. So konnte zum Beispiel Frankreich seine Festnetz-Breitbandpenetration von 16 auf 36 Prozent der Haushalte ausbauen.

Breitband bestimmt die weitere Entwicklung

Die Entwicklung wird auch in den nächsten Jahren durch neue Breitbanddienste (Beispiele: Telematik, MobileTV, IPTV Dienste über DSL) geprägt sein. Zusätzlich werden neue mobile Marktplayer, mit WiMax oder einer der drei zur Ausschreibung anstehenden Frequenzpakete im 450MHz Bereich verstärkt ein Wörtchen am Breitbandmarkt mitzureden haben. Dies deutet bei einer bestehenden Festnetz-Breitbandpenetrationsrate von bereits 36 Prozent (Prozent der Haushalte) auf einen zunehmenden Verdrängungswettbewerb zwischen den unterschiedlichen Technologien hin.

Marktkonsolidierung

Der Konsolidierungsdruck im Österreichischen Festnetz führte Ende 2005 zur Akquisition von Inode durch UPC, nachdem 2004 bereits die beiden bedeutendsten alternativen Festnetzbetreiber Tele2 und UTA vereint wurden. Speziell im ISP-Bereich wird dies auch zukünftig noch aufgrund der zahlreichen regionalen Player seine Fortsetzung finden.

Die Marktkonsolidierung im Festnetzmarkt war unter anderem stark geprägt durch die Migrationstendenz von Festnetz zu Mobilfunk im Sprachbereich. Diese Migration erfährt derzeit noch keinen Sättigungsgrad, sondern wird aufgrund technologisch bedingter Kapazitätszuwächse im Mobilfunk (UMTS/HSDPA Technologie) durch zukünftig neue Flatrate Tarife weiter forciert werden. Darüber hinaus wird ebenso die stetig steigende Breitbandpenetration die Kannibalisierung mittels VoIP intensivieren. Dieser Effekt wird jedoch in den nächsten Jahren noch ein geringes Ausmaß gegenüber der Migration zu Mobil haben.

„Wir von Arthur D. Little gehen davon aus, dass bis 2010 über 15% des Sprachaufkommens via VoIP abgewickelt wird. Dies gilt sowohl für die Festnetz-, als auch verzögert für die Mobilfunktelephonie. Virtuelle Operators wie Skype, Yahoo oder Google bieten vermehrt VoIP kostengünstig auch via Access-Partnerschaften zum Beispiel über WLAN Zugang an, siehe Skype Zones mit VoIP über 18.000 Hot Spots um 6,5 Euro/Monat.“, sagt Dr. Karim Taga.

Trotz des fortlaufenden Preis/Kannibalisierungsdruckes im derzeitigen Kerngeschäftsfeld Sprache wird der gesamte Telekommunikationsmarkt aufgrund des Wandels innerhalb der Branche von Sprachanbietern zu Anbietern von mobiler multimedialer Kommunikation, Information & Entertainment auch in den nächsten Jahren eine Steigerung vorweisen können.

Die Analyse:

„Fixed line market Austria, Status and Future Developments“ gewährt einen Einblick in die Entwicklung des österreichischen Telekommunikationsmarktes aus Sicht der Festnetzbetreiber. Sowohl der aktuelle Status im Sprach-, als auch im Breitbandbereich wird beleuchtet. Weiters umfasst die Analyse einen Gesamtüberblick über die lokalen und regionalen ISPs, als auch einen Abriss über die wichtigsten österreichischen Festnetprovider.

www.adlittle.at