2005-11-10 12:13:16

Business in der Slowakei

Viele Unternehmer überlegen seit dem EU-Beitritt der Slowakei, ihr Unternehmen oder zumindest einen Teil davon in dieses „Steuerparadies“ zu verlegen. Geht das überhaupt? Wenn ja, wie und handelt es sich tatsächlich um ein Steuerparadies?

Mag. Thomas Mares

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Prinzipiell gibt es mehrere Möglichkeiten für ausländische Unternehmen, in der Slowakei tätig zu werden. Zum Beispiel kann eine Tochtergesellschaft gegründet werden. (z.B. eine slowakische GmbH = s.v.o. oder eine Aktiengesellschaft a.s.) oder einfach eine Filiale oder Niederlassung. Beide müssen in der Slowakei im Handelsregister eingetragen sein. Aber auch Einzelunternehmer können einen Teil ihres Betriebes in die Slowakei verlagern. Personengesellschaften, wie die Offene Handelsgesellschaft (in der Slowakei v.o.s.) oder Kommanditgesellschaften (in der Slowakei k.s.) können gegründet werden. Die einzelnen Rechtsformen werden wie folgt besteuert: Der Gewinn eines Einzelunternehmer unterliegt der Einkommensteuer in Höhe von 19 % (flat tax). Der Gewinn von OHG und KG wird gemäß Gesellschaftsvertrag aufgeteilt und jeder Gesellschafter versteuert seinen Anteil mit 19 % Einkommensteuer. Die Versteuerung der Gewinne von Kommanditisten sind zwar etwas anders zu versteuern (Kapitaleinkünfte), die Steuerbelastung ist jedoch die gleiche. Kapitalgesellschaften besteuern ihre Gewinne ebenfalls mit 19 % ; Ausschüttungen an Gesellschafter sind steuerfrei. Der Umsatzsteuersatz beträgt - Überraschung – 19 % und zwar einheitlich. Ein verminderter Umsatzsteuersatz wie in Österreich bekannt (10 %) existiert in der Slowakei nicht. Auch die Gewinnermittlung in der Slowakei zeigt einige Besonderheiten: Für Investitionen gibt es nur eine Ganzjahresabschreibung und 4 Abschreibungskategorien: 4 Jahre, 6 Jahre, 12 Jahre und 20 Jahre. Insbesondere die 20 Jahre für Gebäude scheinen erwähnenswert. Die Abschreibung kann in Verlustjahren sogar ausgesetzt, und später in Gewinnjahren nachgeholt werden. Geringwertige Wirtschaftsgüter bis € 750,00 Anschaffungskosten sind im Jahr der Anschaffung sofort steuerlich geltend zu machen.

Forderungen, die überfällig sind, dürfen bis zu 100 % wertberichtigt werden. Andererseits ist die Bildung von Rückstellungen nur eingeschränkt möglich, nämlich für Urlaube, Jahresabschluss und Prüfungskosten sowie erhaltene aber noch nicht fakturierte Leistungen. D.h. Rückstellungen für Abfertigungen, drohende Verluste oder für ungewisse Verbindlichkeiten kennt das slowakische Steuerrecht nicht. Auch der Verlustvortrag ist stark eingeschränkt. So ist der Verlust eine Jahres in den darauf folgenden 5 Jahren abzugsfähig. Jeder weitere Verlust ist, sofern der alte Verlustvortrag noch nicht verrechnet wurde, verloren.

Um in den Genuss dieser relativ günstigen Besteuerung zu kommen, werden einige Anforderungen an den Unternehmer gestellt.

Die Einkünfte sind demjenigen zu verrechnen, der sie tatsächlich erwirtschaftet. D.h. ein Unternehmen, welches wie bisher in Österreich arbeitet und wirtschaftet und lediglich die Fakturen in der Slowakei erstellt, wird die Steuervorteile nicht lukrieren können. Auch die Verrechnungspreise zwischen österreichischen und slowakischen Unternehmen müssen fremdüblich sein.

Das slowakische Unternehmen muss eine Betriebsstätte besitzen. Dies ist eine feste Einrichtung, durch die die Tätigkeit ausgeübt wird und länger als 12 Monate besteht. Die Geschäftsleitung muss in der Slowakei stattfinden. D.h. Entscheidungen müssen dort getroffen werden. Dies kann durch einen lokalen Geschäftsführer geschehen oder der österreichische Geschäftsführer hält sich nachweislich in der Slowakei auf.

Wenn diese Punkte beherzigt werden, steht der Besteuerung des Gewinnes in der Slowakei nichts mehr im Wege. Allerdings ist dieser Gewinn in Österreich nochmals im Progressionsvorbehalt zu erfassen. D.h. er wird nicht besteuert, ist aber für die Berechnung des Steuersatzes von Relevanz.

Abschließend sei angemerkt: Die Verlagerung eines Unternehmens oder Unternehmensteils in die Slowakei ist vielleicht kein Allheilmittel für jeden, ein paar intensive Gedanken ist es schon wert.

 

Mag. Thomas Mares

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