2007-08-11 06:32:11

Der Speichermarkt

Mal im Ernst: horten Sie Ihr Geld zuhause im Sparstrumpf? Oder tragen Sie es auf die Bank? In einem Zeitalter, in dem Daten bares Geld wert sind, plädieren Experten für letzteres - für eine nachhaltige Datenablage mittels Storagelösungen.

Fritz Katz

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In Zeiten steigender Datenmengen und zunehmender Bedrohungen durch Viren werden sichere Speicherlösungen auch für mittelständische Unternehmen immer wichtiger. Sind doch meist die standardmäßig verwendeten internen Speicher schwierig zu verwalten. Selbst ein geringes Unternehmenswachstum verwandelt die selbst gebastelte Lösung im Serverraum schnell mal in ein komplexes, schwerfälliges Speichergeflecht. Dabei wäre der Bedarf an erweiterungsfähigen Speicherlösungen eigentlich vorhanden: Experten prognostizieren derzeit ein jährliches Wachstum an Unternehmensdaten von über 50 Prozent. Wenn nicht die richtigen Datenschutzmaßnahmen getroffen werden, kann es in Katastrophenfällen zu einem Datenverlust und damit zum Verlust von Unternehmenswerten kommen. Katastrophenfälle können etwa Hacker, Virenattacken, Brände oder Überschwemmungen sein. Einer Studie des Speicheranbieters Hitachi Data Storage zufolge ist gar „menschliches Versagen“ der Grund, vor dem sich IT-Manager in Sorge um ihren Datenbestand am meisten fürchten. Immer noch 40 Prozent der österreichischen IT-Spezialisten sehen in Virenattacken und anderen kriminellen Handlungen eine ernsthafte Bedrohung der Datenbestände.

Bereit für den Mittelstand

„Die Unternehmen werden durch ihre großen Datenmengen mit immer höheren Belastungen konfrontiert. Für die Daten und damit auch für die Unternehmen ergeben sich vielfältige Bedrohungsszenarien“, malt Hitachi-Manager Michael Väth den Teufel an die Wand – nicht jedoch ohne gleich die richtigen Lösungen für die Großkundschaft und den Mittelstand anzubieten. Besonders Network-Attached-Storage-Lösungen (siehe Begriffserklärung unten) ermöglichen mittleren Unternehmen ein Storageumfeld, auf das sonst nur die ganz Großen zurückgreifen können. „Kleine und mittelständische Unternehmen stehen heute in punkto Verfügbarkeit, Performance und einfacher Handhabung von Speichersystemen vor ähnlichen Herausforderungen wie Großunternehmen“, wissen Lösungsanbieter wie Hitachi Data Systems. Übrigens: Sicherheitsstandards wie das österreichische Grundschutzhandbuch oder die ISO-Norm 17799, in der genau definiert ist, wie Daten zu schützen sind, bieten einen guten Ausblick für die Unternehmen. Denn nur wer die entsprechenden Prozesse hat (und auch einsetzt) sichert nachhaltig sein Unternehmen.

Heiße Öfen, flexible Modelle

Auch das weltweit größte Storageunternehmen, EMC, sieht enormen Bedarf bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Dort werden vor allem für den Mittelstand Lösungen, die man ohnehin schon die Großkonzerne im Portfolio hat, angepasst und für den Bedarf der „kleineren“ Unternehmen maßgeschneidert. Mitbewerber wie HP, IBM, HDS, Fujitsu-Siemens wollen ähnliches: Nach den Großkonzernen soll nun die nächste, breitere Ebene der Wirtschaftstreibenden erreicht werden. Kleines Beispiel: IBM richtet Produkte aus seiner Speicher-familie „TotalStorage“ an KMU ohne größere IT-Abteilung. Hierbei finden Lösungen das Auslangen, die mit mehren Festplatten einen Gesamtbedarf von rund einem Terabyte decken. Eine entsprechende Konfiguration fasst dann alle Laufwerke zu einem großen Speicherpool zusammen und sorgt für hohe Datentransferraten. Festplatten in solchen Verbänden sind meist „Hot Swap“-fähig – das heißt, sie können vom Anwender während des laufenden Betriebs ausgetauscht werden. Ein solches System hat auch bedingt Fähigkeiten zum Selbstmanagement: es erkennt eigenständig den Defekt einer Platte und kann Festplatten, die auf Stand-by geschaltet sind, automatisch einbinden. Welcher Anbieter aber jeweils die beste Lösung für den Unternehmens-bedarf bietet, sollte mit einem Unternehmensberater oder den Herstellern selbst gefunden werden. Die Funktionen, deren Rlevanz vor einem Einkauf definiert werden sollten, sind vor allem jene: Ausfallssicherheit und Zugriffsgeschwindigkeit. Je nach Bedarf können dann auch Daten verschiedener Anwendungen und Bedürfnisse auf verschieden schnellen Storagemedien gelagert werden, um die Speicherkosten möglichst niedrig zu halten.

Die Lösungen: SAS, NAS und SAN

„Server Attached Storage“ (SAS) oder „Direct Attached Storage“ (DAS) nennt man lokale, interne beziehungsweise direkt mit dem Server verbundene Speicher – etwa Festplatten. Solche Datenspeicher sind entweder über einen SCSI-Adapter an den Server angeschlossen, also ein Festplattenlaufwerk, oder CD- und DVD-Laufwerke. DAS ist für den „normalen“ Bedarf in kleinen und mittleren Unternehmen meist die beste Lösung. Der Nachteil: jede Festplatte muss einzeln administriert werden. Ab einer gewissen Anzahl an Harddisks am Server gestaltet sich die Verwaltung dann entsprechend mühsam.„Network Attached Storage“ (NAS) bezeichnet ans lokale Netzwerk angeschlossene Datenspeicher in größeren Firmen. Sie funktionieren ähnlich wie Dateiserver und sind optimal für die zur Erweiterung der Speicherkapazität mehrerer Server. Während DAS-Systeme in der Regel im Bereich bis zu einigen Terabyte erhältlich sind, können NAS-Lösungen bis zu einigen hundert Terabyte skaliert werden. NAS-Geräte eigenen sich aber nicht für den schnellen Datenzugriff bei internen Unternehmensanwendungen wie etwa E-Mail-Programmen oder der Nutzung von Datenbanken. Die Daten müssen bei einem NAS schließlich erst mal über das Netzwerk übertragen werden. Optimal eignet sich ein NAS hingegen bei Anwendungen, die ohnehin Daten auf Netzwerkebene übertragen: bei Web-Servern etwa. Ein „Storage Area Network“ (SAN) bezeichnet ein eigenständiges Netzwerk aus einem Verbund von Massenspeichern wie etwa Festplatten. SANs werden meist über Glasfaserkabel realisiert. Das dabei eingesetzte System wird als „Fibre Channel“ bezeichnet. Storage-Area-Networks greifen auf spezielle, für die Massenspeichernutzung angepasste Protokolle zurück. Dieser Umstand ermöglicht parallel geführte Speicherwege innerhalb des Netzwerks. Somit lässt sich der Datenverkehr erheblich beschleunigen. Einer der größten Vorteile, den ein SAN bringt, ist die Möglichkeit einer „Virtualisierung“ der Speicher-träger. Verteilt vorhandene Geräte können in ihrer Administration dadurch wie eine einzige Festplatte behandelt werden. (Quelle: bizzmail)