2005-09-09 12:51:19

Die IT ist kein Ruhekissen

Seriösen (IDC-)Prognosen zufolge soll im heurigen Jahr die IT nicht an Umsatz zulegen.

Michael Reisner

Druckversion

Das bedeutet, dass nach wie vor steigender Bedarf an IT da ist, die erhöhte Produkt-Nachfrage aber vom Preisverfall (und eventuell der Inflation, den Umrechnungskursen oder dem Ölpreis) wieder egalisiert wird.

Für die IT-Industrie, bestehend aus Fachhandel, Distribution und Hersteller, sollten solche Prognosen trotzdem beunruhigend sein. Zwar soll die vorhergesagte Umsatzstagnation ausschließlich durch den Preisverfall bei Produkten bewirkt werden. IT-Umsätze setzen sich aber in der Regel aus Hardware, Software und Dienstleistung zusammen. Damit wäre zum Beispiel jeder Fachhändler, der einen großen Teil seiner Umsätze mit Services erwirtschaftet, aus dem Schneider. Nur werden diese Dienste seit einiger Zeit schon auch vermehrt von Herstellern angeboten, die damit – womöglich, weil sie um die Prognosen wissen – in direkter Konkurrenz zu ihren Fachhandelspartnern stehen. Womit sich aber auch der Hersteller aus dem von ihm selbst verursachten Preisverfall zumindest zum Teil retten könnte.

Im Regen stehen bleibt nach dieser Analyse die Distribution. Denn sie ist fast ausschließlich auf Produktmargen im einstelligen Bereich angewiesen. Auch weil die Erfahrung zeigt, dass selbst der Fachhändler, der von seinen Services ganz gut lebt, kaum bereit ist, beim Distributor für in Anspruch genommene Dienstleistungen zu bezahlen.

Befriedigend ist diese Erklärung trotzdem nicht. Denn die Funktion der Distribution ist eine vielschichtigere. Neben Logistik, Lagerhaltung und Warenzustellung nimmt sie auch viele unbezahlte Support-Funktionen wahr. Noch wichtiger aber: als Kreditgeber streckt sie vielen Fachhändlern für deren Projekte (und Geschäfte) jenes Geld vor, dass diese nach Basel II-Kriterien von Banken auf gar keinen Fall bekämen.

Letztlich werden sich wohl alle an der Nase nehmen müssen. Hersteller sind gefordert, wieder zu klareren Produkt-, Preis- und Partnerstrategien zurück zu kehren, der Fachhandel, sich flexibler seinen Kunden zu widmen und nicht nur Nachfrage zu befriedigen, sondern auch neue Angebote aktiv hinaus zu tragen, und die IT-Distribution wird nicht umhinkommen, mit ihren Stärken in Logistik, Lagerhaltung, Kundenmanagement und Finanzierung auch in anderen Branchen aktiv zu werden.