2007-08-12 20:25:32

Festplattentechnologien: Goldene Zeiten im Consumermarkt

Teil 2:

Produktdiversifikation ist zur Zeit bei den Harddiskherstellern stark in Mode.

Markus Pesler

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von Markus Pesler *)

Nicht nur in technologischer Hinsicht, sondern auch bei den Modellausführungen verbreitern viele Hersteller ihr Produktportfolio, um so nicht nur den klassischen HDD-Markt sondern auch andere Segmente abzudecken. So versucht beispielsweise Seagate durch immer neue Produktlaunches sein Marktpotenzial zu vergrößern und mit der neuen Nearline Storage-Technologie auch im Consumer Electronics-Bereich sowie im Handheld- und Gaming-Sektor zu punkten.

CE – ein Markt mit Potenzial

Gerade die Consumer Electronics (CE) ist ein sehr interessanter Bereich für die Festplattenhersteller. Denn einerseits sind die Anwendungsgebiete sehr vielfältig und extrem stark ausbaubar. Andererseits sind die angestammten Märkte schon ziemlich ausgereizt. So prophezeien Analysten der Gartner Group dem Desktopbereich in den nächsten Jahren sinkende Umsätze. Auch im Notebook- wie im Enterprisebereich wird es nicht mehr zu großen Steigerungen kommen.

Ganz anders sieht es dagegen bei der CE aus. Hier erwartet Gartner eine Steigerung von 20-30 Prozent pro Jahr bis 2007. Das sehen auch die Analysten von IDC so, deren Marktstudien zufolge im Jahr 2004 weltweit das Volumen an

  • - Videomaterial eine Speichergröße von 1.200 Petabytes hatte,
  • - Musik auf MP3-Players 290 Petabytes.

Wobei sich die CE aber nicht auf Musik und Videos für den Heimbereich beschränkt. Im Fokus vieler Hersteller steht auch die Automobilindustrie, wo es für Autoradios, Navigationssysteme usw. in den nächsten Jahren sehr interessante Entwicklungen geben wird. Seagate etwa hat für den Automotive-Bereich die EE25 für das dritte Quartal 2005 angekündigt, welche nicht nur Temperaturbereichen von minus 30 bis plus 85 Grad Celsius widersteht, sondern auch im Betrieb Erschütterungen von bis zu 2,2G standhält.

Auch die Film und Fernsehwelt darf nicht vergessen werden. Es werden immer größere Kapazitäten gefordert, um die neuen Formate wie HDTV unterzubringen. Daher werden im Homevideo-Bereich bald Festplattengrößen ab 500GB notwendig sein, da man mit einem halben Terabyte zwar 500 Stunden normales TV-Programm, aber „nur“ 85 Stunden HDTV-Filme aufnehmen kann. Die 2,5-Zoll Platten waren ja mit der herkömmlichen Technologie bis 120 GB begrenzt.

Mittlerweile sind nun auch Handys mit 1 Zoll-Festplatten am Markt und so wie bei den MP3 Playern sind da enorme Potenziale zu erwarten. Laut Gartner werden im Jahr 2008 mindestens 8 Prozent der Handys mit 1 Zoll-Festplatten ausgestattet sein, weiters ist das Volumen von 1 Zoll-Festplatten von knapp über 900.000 im Jahr 2003 auf 8 Millionen im Jahr 2004 gestiegen. Bis zum Jahr 2008 wird ein jährliches Wachstum von 85 Prozent erwartet.

Produktankündigungen

Fujitsu wird nach langjähriger Entwicklung nun eine 160 GB 2,5-Zoll Harddisk –Modellbezeichnung MHV2160BT – herausbringen, die neben SATAII auch NCQ (Native Command Queuing) und Hot Plug unterstützen wird.

Seagate rüstet mit seiner LD 25 Serie mit 2,5 Zoll Formfaktor Spielkonsolen wie die Xbox 360 aus - durch die neue DynaPlay-Technologie kommt es zur optimalen Medianwiedergabe und niedrigen Stromverbrauch. Diese Technologie eignet sich auch gut für Home-Entertainment-Geräte und ultrakompakte Media-PCs.

Toshiba hat als erster Festplatten Hersteller im letzten August eine Festplatte im Formfaktor 1,8 Zoll mit 40 GB und 4200 U/min veröffentlicht - möglich gemacht mit der neuen Perpendicular Recording Technologie.

Auch der Vormarsch der Microdrives ist nicht mehr aufzuhalten. Microdrives sind 1-Zoll Festplatten im Format von CompactFlash Karten. Sie wurden anfangs von der NASA genutzt und hatten Kapazitäten bis 512MB. Nach dem Verkauf der Festplattensparte von IBM an Hitachi ist der Hersteller mit Seagate führend in diesem Bereich und beide haben schon Kapazitäten bis 8 GB angekündigt.

 Perpendicular Recording

ist eine Aufzeichnungstechnik bei magnetischen Datenträgern wie z.B. Festplatten, bei der die Abschnitte des Raumes, die jeweils für ein Bit magnetisiert werden, nicht parallel zur Rotationsrichtung des Datenträgers liegen, sondern senkrecht dazu stehen. Damit ist eine dichtere Packung von Bits aneinander möglich, was zur Steigerung der Festplattenkapazität führt.

Das Gegenstück zum Perpendicular Recording ist das bisher eingesetzte Longitudinal Recording. Hier tritt jedoch bei zu starker Verkleinerung der Partikel der so genannte superparamagnetische Effekt auf, d. h. die einzelnen Bits verlieren ihre magnetische Richtung, was zu Datenverlust führt.

Die Festplattenkapazitäten werden durch diese neue Aufzeichnungstechnik um das 10-fache steigen. Notebookfestplatten mit vielen hundert Gigabyte werden bei gleicher Baugröße realisierbar sein.

Siehe auch "get perpendicular" unter:

http://www.hitachigst.com/hdd/research/recording_head/pr/PerpendicularAnimation.html

 *) Markus Pesler  ist bei Actebis Produktmanager für Storage-Produkte