2005-10-17 17:36:49

IT ist der Schlüsselfaktor

Die Bedeutung der Informations- und Telekommunikationstechnologie wird nach Auffassung von HP-Chef Wolfgang Gruber in Österreich weiterhin unterschätzt.

Michael Reisner

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Seit rund einem Jahr steht mit Hewlett Packard der größte heimische IT-Hersteller hinter dem Thema „IT-Masterplan“, der für den Wirtschaftsstandort Österreich von größter Bedeutung ist. Dieser sollte sämtliche Infrastrukturmaßnahmen in den Bereichen Informationstechnologie (IT) und Telekommunikation (TK) von Breitbandinternet über IT-Ausbildung und IT-Förderungspolitik bis zu Maßnahmen in den Bereichen Gesundheit (eHealth) oder Verwaltung (eGovernment) koordinieren. Das bisherige Ergebnis: Gruber ist damit auf Gehör und Interesse gestoßen. Jetzt zeigt sich ein erster Hoffnungsschimmer: mit April dieses Jahres sind alle Parteien „auf den Zug aufgesprungen“. Gruber vermisst aber noch immer einen IT-Verantwortlichen in der Regierung, die bessere Positionierung von neuen Technologien, eine flächendeckende Breitband-Internetversorgung, mehr Initiativen für eGovernment, sowie eine verbesserte Ausbildung und Starthilfen für Jungunternehmer.

Ziele des IT-Masterplans müssten sein, Österreich als Drehscheibe für Osteuropa zu erhalten und die IT selbst in Österreich besser zu nutzen und zu stärken. Als Beispiel führt Gruber den Gesundheitsbereich an, der nicht nur Systeme bräuchte, die sich am Nutzen des Patienten orientiert (z.B. eine Impfkarte, die sich nach Ablauf selbst meldet), sondern die auch anspruchsvoller sein dürfen: „Man kann der Bevölkerung mehr zutrauen als bisher.“ Dann würde Österreich auch seiner Vision „vom eGovernment-Staat zur eNation“ einen Schritt näher kommen.

Für HP Österreich hat sich das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Umsatzplus von zwei Prozent gut entwickelt, das KMU-Geschäft ist zweistellig gewachsen. Mit 582 Millionen Euro - bezogen auf das Jahr 2004 – hat HP erstmals IBM, den bisher größten IT-Hersteller in Österreich überholt.

Copa-Meinung:

Österreich hat sich mit Hilfe massiver Kapitaleinsätze zu einer der ersten eGovernment-Nationen in Europa entwickelt. Im gleichen Zeitraum ist Österreich im Ranking als Wirtschaftsstandort vom 11. auf den 19. Platz zurückgefallen.

Wäre von der Regierung nur halb so viel Geld für den IT-Masterplan aufgewendet worden wie fürs eGovernment, hätte sich allerdings die heimische Position als Wirtschaftsstandort nicht so dramatisch verschlechtert. Wobei zu befürchten ist, dass heuer eine neuerliche Rückstufung erfolgen wird.

Wahrscheinlich ist jeder Regierung ein elektronisch verwaltbarer „eGovernment-Staat“ am liebsten, oder zumindest lieber als eine mündige eNation. Aber weiß die Regierung denn nicht, dass auch das Geld für den eGovernment-Staat immer noch von der Wirtschaft aufgebracht werden muss?