2007-08-11 06:30:02

Kommunikationswege aufzeichnen

Richtlinie angenommen

Auf europäischer Ebene wurde die Speicherpflicht von Nutzerdaten im Internet (Dataretention) schneller beschlossen als sich die Richtlinie in der Praxis umsetzten lässt.

Fritz Katz

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Durch die von den europäischen Justizministern angenommene Richtlinie zur verpflichtenden Vorratsdatenspeicherung sollen alle Betreiber von Kommunikationsdiensten gezwungen werden die elektronischen Kommunikationswege ihrer Kunden aufzuzeichnen und für einen noch zu bestimmenden Zeitraum aufzubewahren. Einzig und allein, um der Polizei die Strafverfolgung zu erleichtern. Betroffen davon sind Telefon, Mobilfunk, Internet, eMail und Voice over IP. Nun steht die Umsetzung in nationales Recht an.

 

„Die Internetnutzer und die Internetwirtschaft sind die Hauptleidtragenden dieser Bestimmungen. Während die Telefon- und Mobilfunkdaten schon bis jetzt gespeichert wurden, ist das für Internet Service Betreiber völlig neu,“ erklärt Roland Türke, zuständiges Vorstandsmitglied des österreichischen Internet Service Provider Verbandes ISPA. „Noch dazu ist die Richtlinie so unklar formuliert, dass sie speziell im Bereich eMail und Voice over IP unserer Meinung nach so nicht umsetzbar sein wird.“

 

Viele technische und organisatorische Fragen seien noch ungeklärt, sodass die nationale Gesetzgebung vor großen Problemen stehen und sicherlich mehr Zeit als die vorgesehenen 18 Monate dafür benötigen werde. Bei der gesetzgeberischen Umsetzung müsse darauf geachtet werden, dass sie im Einklang mit den Providern geschehe und die Speicherdauer auf sechs Monate begrenzt werde.

 

Die Vereinigung der heimischen Internet Service Provider (ISPA) fordert in diesem Zusammenhang von Justizministerin Karin Gastinger eine Verlängerung des Zeitrahmens für die Umsetzung der Richtlinie über die Vorratsspeicherung von Daten im Internet von 18 auf 36 Monate. „Das Justizministerium sollte die Möglichkeit einer Umsetzungsverlängerung auf 3 Jahre nützen,“ verlangt Roland Türke. „Bis jetzt hatte das Justizministerium durchaus Gesprächsbereitschaft mit den Betreibern gezeigt. Wir hoffen, dass dies weiter so bleibt.“

 

 

 

Das Sprachrohr

 

Die ISPA – Internet Service Provider Austria – ist der Dachverband der österreichischen Internet Service-Anbieter und wurde im Jahr 1997 als eingetragener Verein gegründet. Ziel des Verbandes ist die Förderung des Internet in Österreich und die Unterstützung der Anliegen und Interessen von derzeit mehr als 200 Mitgliedern aus Bereichen wie etwa Access, Services, Hosting und Content. Die ISPA versteht sich als Interessensvertretung und Sprachrohr der österreichischen Internet-Wirtschaft gegenüber Regierung, Behörden und anderen Institutionen, Verbänden und Gremien und fördert die Kommunikation der Markt-Teilnehmer untereinander.