2007-08-11 20:15:25

Kostensenker Voice over IP

Neue Chancen durch die einheitliche Kommunikation über die Datenleitung. Eine Fülle an Produkten (Geräte, Services, Applikationen) sind parat.IP-Telefonie ist der nächste logische Schritt in der Weiterentwicklung herkömmlicher Telefonanlagen, erklären die Telekommunikationsexperten.

Fritz Katz

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Existieren doch bislang in den meisten Unternehmen zwei Netzwerke nebeneinander: eines für die Datenkommunikation und eines für die Telefonanlage. Voice-over-IP (VoIP) schafft hier auf konvergente Art und Weise Abhilfe: Mittels IP-Telefonie wird ein Netzwerk geschaffen, das Daten und Sprache miteinander verbindet. Das Budget schonende Resultat: Büroräume müssen nur noch ein einziges Mal verkabelt werden. Änderungen von Nebenstellen werden flexibel bewerkstelligt. Und Anwendungen am PC werden in die VoIP-Endgeräte integriert. Firmentelefonbuch, Börsenkurse, Urlaubsmeldungen, Mittagsmenüs der Betriebskantine oder Kalenderfunktionen wandern via Digitalisierung auf das Telefon-Display.Die ApplikationenAuf den diesjährigen IT-Messen wurde VoIP in großen Lettern geschrieben. Hersteller und Systemintegratoren setzen zunehmend auf die multifunktionellen Telefone, die eine Migration auf IP-Telefonie mit gesteigerter Produktivität vergolden wollen. IP-Kommunikationsanwendungen, die das Session Initial Protocol (SIP) unterstützen, ermöglichen etwa die Übertragung von „Presence“-Informationen. Anwender können hier genau festlegen, für wen sie wann und wie erreichbar sind. Unterstützung erfahren Sie von einer „virtuellen Sekretärin“, die steuert, welche Anfragen durchgestellt, per Sprach- oder Textnachricht beantwortet oder für einen Rückruftermin vorgemerkt werden. „Eine einfachere und schnellere Kommunikation unter Einbeziehung aller verfügbaren Medien wie Telefone, mobile Endgeräte, PCs und Instant-Messaging-Lösungen ist keine Zukunftsmusik mehr“, erklärt Avaya-Tenovis-Geschäftsführer und Telefonanlagen-Spezialist Walter Becvar. Beispielsweise kann ein Teamleiter mit einem Mitarbeiter über ein so genanntes Messaging-Tool ähnlich wie in einem Chatroom kommunizieren. Während dieser Sitzung ist es jederzeit möglich, das Gespräch per Mausklick über das Festnetz-Telefon fortzuführen. Gleichzeitig sieht er auf dem Bildschirm, ob andere Kollegen online und frei sind oder gerade telefonieren. Über das Messaging-Tool können dann die zusätzlich gewünschten Kollegen benachrichtigt und zum Beispiel eine Telefonkonferenz initiiert werden.Best of VoIPDie VoIP-Geräte erfüllen dabei verschiedenste Bedürfnisse, abhängig von der Wunschliste des Unternehmens, das seine Telefonanlage erweitert oder gleich komplett in die Welt der IP-Telefonie führt. Integrierte IP-Applikationen und –Dienste fördern Produktivität und Kundenservice. Im Folgenden die populärsten Applikationen, wie sie Provider – hier im Beispiel für IP-Telefonanlagen von Cisco – bieten:

„Unity“ bietet eine einheitliche Nachrichtenlösung (Unified Messaging), die sowohl die Mitarbeitereffizienz als auch die Kundentreue erhöht. In einer einzigen Nachrichtenbox werden eMail-, Sprach- und Faxnachrichten gesammelt. Sprachnachrichten können als eMail-Attachment via Outlook empfangen werden (Voice Mail).

„Text vor Melden“ ermöglicht individuell zugeschnittene Musik- oder Texteinspielungen, bevor der gewünschte Teilnehmer das Gespräch annimmt. Das erinnert an die neuen Ring-Back-Tone-Services in den Mobilfunknetzen, war aber nur wesentlich früher am Markt.

„Personal Assistant“ ist eine Telefonieanwendung, mit der Benutzer festlegen, wo und wie sie Anrufe empfangen.

„Virenscanner“: viele neue IP-Telefonanlagen basieren auf Windows, sollten also vor Virenbefall geschützt werden. Ein auf die Anlage zugeschnittener Virenscanner schützt in Sachen Ausfallssicherheit und Stabilität.

„IP Softphone“ ist eine auf Windows basierende Anwendung für den PC. Kann wahlweise als Standalone-Endstation oder in Verbindung mit einem IP-Telefon verwendet werden.

Die TelefoneBeim Thema Voice-over-IP reichen sich die IT- und Telefon-Hersteller die Hände – in der Industrie macht sich die neue Konvergenz breit: klassische Netzwerk-Professionals wie Cisco dringen plötzlich in den Telefoniemarkt, herkömmliche Telekomspezialisten entwickeln Software für ihre Telefonapparate. Ein Querschnitt aus der Welt der smarten IP-Telefone:

 

 

Der Evolutionäre:

Mit der „FRITZ!Box Fon NT“ hat der Modem-Spezialist AVM VoIP-Telefonie mit einem internen ISDN-Anschluss kombiniert. Mit der neuen Box lassen sich vorhandene ISDN-Telefone oder ISDN-Telefonanlagen auch für Voice-over-IP am DSL-Anschluss verwenden. Neben dem ISDN-Anschluss bietet die neue Fritz-Box zusätzliche Anschlüsse für zwei analoge Endgeräte. Dadurch soll die Box vor allem familientauglich werden, da sich zwei Internetgespräche und zwei Festnetzgespräche gleichzeitig führen lassen.

 

 

Der Kommunikative:

Polycom stellte eine neue Lösung für VoIP-Videokonferenzsysteme samt SIP-Funktionalität vor. Die „SoundStation IP 4000“ ist Polycoms neuestes IP-Konferenztelefon und will bei Qualitätsmerkmalen wie Audioqualität und Mikrofonabdeckung punkten. „Die Gesprächspartner verstehen sich klar und deutlich, auch wenn sie sich drei Meter vom Telefon entfernt befinden“, so Polycom. Das Telefon ist mit einem LCD-Display von 248 x 68 Pixel Größe ausgestattet.

 

 

Der Tausendsassa:

Cisco war der erste Anbieter, der ein IP-Telefon mit einem hochauflösenden Farb- und Touch-Display auf den Markt gebracht hat. Das Display des Color-IP-Phones 7970G kann grafisch aufwendige Anwendungen darstellen und ist XML-fähig. Damit haben seine Nutzer einen direkten Zugriff auf Informationen aus dem jeweiligen Unternehmensnetz. Und dank XML-basierter Lösungen können die Telefone auf die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. So ist es dann etwa möglich, dass bei einem Kundenanruf während des Telefonats Kundeninformationen wie Bestellnummer oder Lieferdatum auf dem Display abrufbar sind.

 

 

Die Schnittstelle:

Das „Gigaset M34 USB“ von Siemens ist ein kleiner USB-Adapter für den PC, der seinem Schnurlostelefonbenutzer (Siemens-Produktreihe Gigaset) die Welt der Internet-Telefonie erschließt. Nachteil: Der USB-Adapter ist mit der VoIP-Software des Internet-Telefonie-Clients „Skype“ vorkonfiguriert. Damit können Privatnutzer, die das Gerät adressiert, wie gewohnt zwar mit einem schnurlosen Telefon übers Internet telefonieren, aber nur über Skype.

 

 

Der Hybride:

Und nochmals für Endkonsumenten: Auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen bereits einige Mobiltelefone, wie das „CN 620“ von Motorola. Es kombiniert klassische Mobilfunktechnologie mit dem Telefonieren über eine drahtlose Internetverbindung (WLAN). Die Überstellung von einem WLAN-Netz in ein Handynetz erfolgt automatisch. Der Nutzer kann somit VoIP-Services bei ausreichender Internetverbindung an WLAN-Hotspots auf seinem Handy nutzen. Ab Sommer will Motorola WLAN-fähige Handys mit vorkonfiguriertem Skype-Client auf den Markt bringen.