2010-09-16 08:31:56

Neues Internetmedium Podcasting

Eine neue Kommunikationsform schlägt derzeit im Internet Wellen. „Podcasts“ werden zunehmend verbreitet – und gehört. Dazu eröffnen sich Möglichkeiten für findige Unternehmen, um sich von der mausgrauen Konkurrenz abzuheben.

Fritz Katz

Druckversion

Das Internet und seine Community, die maßgebliche Entwicklungen des World-Wide-Web vorantreibt, prüfen in zunehmender Geschwindigkeit das Wissen seiner Nutzer. Neue, bahnbrechende Trends werden im Wochen-Rhythmus aus dem Boden gestampft. Was gestern Kommunikation und Konsum war, ist heute möglicherweise längst wieder passé. Der Fachjargon wächst ungebremst: Weblogs sind die neuen Tagebücher, RSS-Feeds die Nachrichtenabos von heute. Instant-Messaging ist das SMSen im Netz, Userforen die Selbsthilfegruppen im Cyberspace. Und auch das gute alte Radiogerät ist dem elektronischen Paradigmenwechsel unterworfen: Der Weltempfänger wurde durch Internetradio-Software ersetzt, statt Broadcasting gibt es nun „Podcasting“. Letzteres ist der neueste Schrei, um Inhalte per Web zu verbreiten. Nötig dazu ist nur eine handelsübliche Soundkarte für den PC und etwas Speicherplatz im Cyberspace. Doch ist Podcasting im eigentlichen Sinne nichts Neues. Mitschnitte von (Radio-)Sendungen, die zum Download angeboten werden, gibt es seit Jahren schon. Doch macht hier die Masse den Erfolg aus. Mittlerweile sind es nicht nur die Radio-DJs oder Private, die ihre populären Sendungen an den mobilen Hörer bringen. Auch Unternehmen entdecken das schnelle Medium bereits für sich.

Begriff und Anleitung

Podcasting bezeichnet das Bereitstellen von selbst produzierten Audiodateien (Podcasts) über das Internet. Meist handelt es sich bei Podcasts um private Sendungen, ähnlich Radioshows, die sich einem bestimmten Thema widmen. Der Begriff leitet sich von „broadcasting“ ab, das frei übersetzt „rundfunken“ bedeutet. Das Wort „Pod“ – übersetzt „Hülle“ oder „Gehäuse“ – ist durch den massiven Erfolg des Computerherstellers Apple auch in nicht-englischsprachigen Breitengraden populär geworden. Der Computerhersteller mit Hang zu glattem, erfrischenden Design generiert bereits einen wesentlichen Teil seines Umsatzes mit seinem populären MP3-Player „iPod“. Ebendieses Gerät dient nun als Abschussrampe für die Internet-Rakete Podcast. Waren Podcasts ursprünglich für mobile Nutzer konzipiert, die auf einschlägigen Webseiten Audiodateien herunterladen, auf ihrem iPod speichern um sie unterwegs zu hören, hat sich die Fangemeinde in den letzten Wochen auf jede erdenkliche Art von Audio-Playern oder tragbaren Musikgeräte erweitert. Und: Am Schreibtisch „gebundene“ Internetnutzer können die Musikshows, Radiosendungen und Hörspiele genau so konsumieren. Nötig ist dazu nur eine Soundkarte. Generell dient den Podcast-Nutzern der PC (oder Mac) zu Hause als Plattform für neue Downloads und News zu weiteren Sendungen. Spezielle Nachrichtendienste bringen dabei immer wieder die neuesten Podcast-Dateien auf den PC. Per Abonnement lassen sich so bewährte Sendungen und Serien anhaltend verfolgen.

 

 

Vielfältige Inhalte

Auf Webportalen wie Podster.de oder Podcast.com sind Audio-Mitschnitte zu den unterschiedlichsten Themen zu finden. Wer sich etwas Zeit für die Suche nimmt, findet bald so manches Goldstück, das vielleicht den eigenen Musikgeschmack oder die dringende Suche nach bestimmter Information punktgenau trifft. Von Podcasts zur Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit, NLP-Tipps bis hin zu Talk-Shows sind bereits tausende Sendungen im Netz. Und auch Unternehmen sind bereits auf den Zug ge-sprungen: Der Softwarespezialist BMC stellt auf seiner Unternehmenswebseite eine Reihe von Podcasts zu aktuellen IT-Themen zum Download zur Verfügung. Die Audiodateien thematisieren IT-Herausforderungen, denen laut Unternehmen jeder Größe und Branche gegenüberstehen. Das ist ein hervorragender Service für Kunden – oder solche die es noch werden sollen – um sich weiter zu bilden. Highlight sind hier Live-Mitschnitte der User-Group-Begegnungen bei BMC, die per Podcasting (talk.bmc.com) der breiten Öffentlichkeit zugängig gemacht werden. Podcasts wie jene sind oft auch bei Apple selbst erhältlich: der Service „iTunes Podcasting“ bietet gleich die Verknüpfung der Firmenbotschaften auf dem bekannten Musik-Download-Portal. Auch andere Unternehmen haben die neuen Marketingmöglichkeiten bereits erkannt.

Podcasts für Erwachsene

Auch Podcasting ist kein Medium, das sich dem E-Commerce-Treiber Nummer eins entziehen kann: Sex. Auch hier darf Schlüpfriges nicht fehlen: Selbst ernannte Sexexperten stellen Radioshows ins Netz, in denen sich Moderatoren und gegeben-enfalls sogar Akteure ausgiebig mit Erotik beschäftigen. Apple lässt bislang den Produzenten der Amateur-Shows auf iTunes relativ freie Hand – etwas, was das Unternehmen in Bezug auf die „Porncasts“, wie manche die erotischen Podcasts inzwischen nennen, in eine heikle Lage bringen könnte. Obwohl Apple durch die angebotenen Radioshows keine Einnahmen macht, verspricht sich das Unternehmen davon zumindest eine gute Werbung für seine iTunes Software. Die Zahlen sprechen für sich: Bisher sind Apple zufolge schon fünf Millionen Podcast-Vorbestellungen für User bearbeitet worden.

(Quelle: bizzmail)