2005-11-10 12:12:42

Sommerzeit - Ferialpraktikantenzeit

Kaum steigen endlich die Temperaturen, fallen sie wieder in Scharen über unsere Unternehmen her: die Ferialpraktikanten.

Mag. Thomas Mares

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Aber ob es heuer der Sohn vom Chef ist oder die Tochter der Cousine dritten Grades, die gerade die Fachhochschule absolviert – aus arbeits- und sozialversicherungsrechtlicher Sicht ist Praktikant nicht gleich Praktikant. Da wird unterschieden zwischen dem Ferialpraktikanten, dem Volontär und dem Ferialarbeiter.

Der Ferialpraktikant muss das Praktikum im Rahmen seiner Ausbildung absolvieren (z.B. im Zuge einer Berufsbildenden Höheren Schule, die das Praktikum im Lehrplan vorsieht), der Volontär ist idR zur Ausübung des Berufes bereits befähigt, braucht aber noch Praxis, und der Ferialarbeiter versucht redlich, eine Urlaubslücke im Unternehmen zu füllen (z.B. Werkarbeiter, Bau)

Die wesentlichen Unterschiede sind:

Arbeitsrecht *)

Ferialpraktikant / Volontär **)

Ferialarbeiter

Entgeltvereinbarung

idR nur „Taschengeld“

Ja

Sonderzahlungen

Nein

Ja

Urlaubsanspruch, Krankenentgelt etc.

Nein

Ja

Kollektivvertrag

idR Nein

Ja

Arbeitspflicht gegenüber Unternehmen

Nein

Ja

Arbeitszeitbindung

Nein

Ja

Weisungsunterworfenheit

Nein

Ja

Sozialversicherung (sofern über Geringfügigkeitsgrenze)

Kranken, Unfall- und Pensionsversicherung

Ja, aber geringere Tarife **)

Ja

Arbeitslosenversicherung, Kammerumlage, Wohnbauförderungsbeitrag usw.

Nein

Ja

*) Auf die Auflistung der Ausnahmen im Hotel- und Gastgewerbe sei hier verzichtet
**) Zwischen Volontär und Ferialpraktikant gibt es insb. sozialversicherungsrechtlich noch

geringe Unterschiede, deren Auflistung diesen Rahmen sprengen würde

Wie man sieht, unterliegt ein Ferialpraktikant/Volontär aus Unternehmersicht also wesentlich günstigeren Rahmenbedingungen als ein Ferialarbeiter. Aber Vorsicht: nicht jeder Praktikant wird von den Behörden als solcher anerkannt. Entscheidend ist, dass die Ausbildung deutlich im Vordergrund steht, das Interesse des Betriebsinhabers ist nachrangig. Tätigkeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen, dürfen daher nur in einem zeitlich vernachlässigbarem Ausmaß verrichtet werden. Der Ferialpraktikant muss zudem größere Freiheiten in der Anwesenheitsgestaltung haben und ist außer hinsichtlich der Sicherheitsbestimmungen nicht weisungsgebunden.

In Zeiten der Globalisierung und EU-Erweiterung sei noch darauf verwiesen, dass es auch für ausländische Praktikanten gewisse Sonderregelungen gibt, die hier nicht weiter erläutert werden.

Mag. Thomas Mares

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