2005-12-01 09:45:33

Umsatzsteuer bei Softwareverkauf

Software ist mit 20 % Umsatzsteuer belastet und nicht mit 10 %. Das ist wohl jedermann bekannt! Damit ist das Thema aber noch nicht abgeschlossen, muss man doch zwischen Inland, EU-Raum und Drittland unterscheiden. Außerdem ist in Standard- und Individualsoftware zu differenzieren und ob die Software über herkömmliche Dateiträger versendet wird oder über das Netz. Ob der Empfänger Unternehmer ist oder nicht, kann auch noch einen Unterschied machen.

Thomas Mares

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Strukturiert man die Thematik, so erhält man folgendes Bild:

Bei Verkauf von Software unterscheidet man zwischen Standard- und Individualsoftware. Unter Individualsoftware versteht man nicht nur für den Empfänger erstellte Programme, sondern auch speziell für den Anwender angepasste Software.

Lieferung oder Leistung

Die Übermittlung von Standardsoftware auf Datenträger ist eine Lieferung, hingegen ist die Individualsoftware eine sonstige Leistung. Wird Standardsoftware über das Internet übertragen, handelt es sich ebenfalls um eine sonstige Leistung. Im Inland ist das noch egal, denn unabhängig ob Individualsoftware oder Standard- bzw. Übertragung mittels Datenträger oder Internet ist Software mit 20 % Umsatzsteuer belastet.

Verkauf

Anders ist es bei einem Verkauf von Software in einen anderen EU-Staat. Wenn Sie Standardsoftware auf Datenträger nach Polen verkaufen und der Abnehmer ist Unternehmer, handelt es sich um eine innergemeinschaftliche Lieferung. Diese ist umsatzsteuerfrei, sofern die Rechnung einen Hinweis über die USt-Freiheit enthält und die UID-Nummer von Rechnungsaussteller und -empfänger. Ist der Rechnungsempfänger aber eine Privatperson (erkennt man daran, dass er keine UID-Nummer hat), ist mit 20 % österreichischer Umsatzsteuer zu verrechnen.

EU-Mitgliedstaat

Versendet ein österreichisches Unternehmen aber an sehr viele Privatpersonen in einen EU-Mitgliedstaat und wird der Lieferwert von € 100.000,00 innerhalb eines Jahres überschritten, so muss sich der österreichische Unternehmer in dem anderen Mitgliedstaat eine Steuernummer besorgen und wird mit dem dortigen Umsatzsteuersatz in diesem Mitgliedstaat steuerpflichtig.

Der Verkauf von Individualsoftware in einen anderen EU-Mitgliedstaat ist wie oben ausgeführt eine Leistung. Ist der Anwender Unternehmer, liegt die Steuerschuld beim Empfänger, sofern der österreichische Unternehmer weder Sitz noch gewöhnlichen Aufenthalt noch eine Betriebsstätte im Empfängerstaat hat.

Ist der Anwender der Individualsoftware eine Privatperson, so ist mit 20 % österreichischer Umsatzsteuer zu verrechnen.

Nicht-EU-Staat

Beim Verkauf von Software in einen Nicht-EU-Staat gilt folgendes:

  • Erfolgt die Übermittlung der Standardsoftware mit Datenträger ins Drittland, handelt es sich um eine steuerfreie Ausfuhrleistung.
  • Wird hingegen Individualsoftware auf Datenträger in ein Drittland verkauft, liegt eine Leistung vor. Ist der Empfänger Unternehmer, ist die Leistung in Österreich steuerfrei, die Rechtsvorschriften des Drittlandes sind anzuwenden.
  • Wird die Software auf elektronischem Wege übertragen, liegt, egal ob Standard- oder Individualsoftware, eine Leistung vor, die in Österreich steuerfrei ist.

Alles klar?! Soll keiner sagen Steuergesetze sind kompliziert!

Das oben ausgeführte ist natürlich nur ein Streifzug durch die Thematik, aber mit den Details wollte ich Sie nicht belasten.

Sollten Sie beim nächsten Softwareverkauf also Zweifel hegen, ob Software jetzt wirklich mit 20 % Umsatzsteuer belastet ist oder nicht, ob es sich um eine Lieferung handelt, vielleicht sogar um eine steuerfreie Ausfuhrlieferung, oder doch um eine Leistung, so fragen Sie bitte zur Sicherheit Ihren Steuerberater.

Mag. Thomas Mares

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