2009-01-05 09:15:59

Zukunft aus Glas

100 Mbit problemlos

Dass Breitband über Glasfaser Zukunft hat, beweisen prominente City-Projekte in Europa. Trotzdem ist fraglich, ob sich „Fiber-to-the-home“ und „Fiber-to-the-desk“ für den Massenmarkt eignen?

Fritz Katz

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Mitte Jänner tagte dazu der international besetzte Kongress des FTTH Council Europe in Wien. FTTH, „Fiber-to-the-home“, das ist der Fachbegriff für eine Glasfaserleitung bis zum Haushalt, und stellt die schnellste Technik zur Übertragung von Daten und Informationen dar.

Weltweit wird die baldige Verfügbarkeit solcher Breitbandnetze Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg sein, schätzt Hartwig Tauber, Professor an der IMC Fachhochschule Krems und Präsident des Fiber-to-the-home Council Europe. „Bei Fiber-to-the-home stehen 100 Mbit, also ein zigfaches der Möglichkeiten herkömmlicher Breitbandleitungen, problemlos zur Verfügung“, sagt Tauber. „Glasfasernetze sind die Basis für die zukünftige Informationsgesellschaft. Dadurch wird sich auch die Lebensqualität der Bürger in Europa verbessern“, ist der Professor überzeugt. Nur diese Netze würden schnell genug sein, um die notwendigen Datenmengen für Triple-Play (Fernsehen, Telefonie und Internet über einen Datenanschluss), hochauflösendes Fernsehen (HDTV) oder neue Formen der Telearbeit oder Anwendungen im Gesundheitswesen (eHealth) zu bewältigen.

Nicht alles aus Glas glänzt

Den Enthusiasmus von Organisationen wie FTTH Council Europe teilen zwar viele Player am Markt – allen voran Medienkonzerne und Lizenzrechteinhaber. Sie sind derzeit aber kaum bereit, von sich aus Initiativen zu ergreifen. Allein die Finanzierung eines solch immensen Vorhabens stellt die Provider aber vor eine beinahe unlösbare Aufgabe. Ist es derzeit kaum ein Problem, größeren Firmenkunden bei Bedarf die schnellen Glasfaserleitungen ins Gebäude zu legen, sieht die Versorgungslage bei Hunderttausenden Haushalten weniger rosig aus. Zudem, betonen Kritiker, sind die Kapazitäten der Kupferleitungen auf den letzten Metern in die Haushalte oder in die Büros noch beliebig ausreizbar, was auch von der Entwicklung von ADSL und XDSL eindrucksvoll untermauert wird.

Wie es sein wird

Bis zu einem kommerziellen Erfolg werden somit noch einige Jahre vergehen, denn derzeit kommen meist nur Projekte auf der grünen Wiese zum Zug, da dort die Mehrkosten kaum ins Gewicht fallen.. Ausschlaggebend für den Erfolg von FTTH und FTTD (Fiber-to-the-desk, Glasfaser bis zum Schreibtisch) wird auch die Flexibilität der Glasfasertechnik sein. Derzeit kann jeder Elektriker auch Kupferleitungen verlegen, bei Glasfasertechnologie kommen dagegen teure Netzwerkspezialisten zum Einsatz. Nichtsdestotrotz werden die bereits vorhandenen Glasfaserkapazitäten in den fetten Backbone-Leitungen der Provider näher und näher zum Konsumenten hin ausgerollt. Dies bedeutet: Wenn schon nicht Fiber-to-the-home, dann wenigstens Fiber-to-the-node (FTTN). Der Node ist dann der letzte Verteilkasten in der Straße oder an den Gebäuden. Für die letzten Meter wird dann wieder die gute alte Kupferleitung eingesetzt werden.