2018-02-22 08:45:35

Smart Contracts

Smart Contracts werden die Art, wie Unternehmen im Zeitalter von Industrie 4.0 zusammenarbeiten, grundlegend verändern! Sie sind digital und funktionieren grundsätzlich erst einmal wie ganz normale Verträge, denn auch sie regeln Transaktionen zwischen verschiedenen Parteien.

Wie übliche Abkommen auch, enthalten Smart Contracts Informationen, welche die Transaktion und die geltenden Bedingungen und Rechte näher beschreiben. Im Gegensatz zu den Verträgen die jeder von uns zahlreich zuhause herumliegen hat, existieren Smart Contracts allerdings nicht auf dem Papier, sondern werden ausschließlich digital in der Blockchain verwaltet.

Lass dich vom ersten Eindruck allerdings nicht täuschen! Smart Contracts sind weit mehr als „nur“ digitalisierte Verträge. Werfen wir einen Blick auf die genaue Funktionsweise und die Möglichkeiten eines Smart Contracts anhand eines Beispiels im B2B Umfeld:

Wir sind ein Unternehmen, welches Auspuffanlagen für verschiedene Hersteller produziert. Um eine neue Produktionsserie zu starten, müssen wir uns unter anderem um die Beschaffung eines speziellen Bauteiles kümmern. Nachdem wir einen passenden Lieferanten gefunden haben, schließen wir über die Bestellung des Bauteiles einen Smart Contract. In diesem Smart Contract befinden sich neben grundsätzlichen Informationen zum Vertrag nun sogenannte Meilensteine, welche den Ablauf der Transaktion definieren. Darüber können bspw. Lieferbedingungen (Zeit, Ort, Menge etc.), Zahlungsbedingungen (Teilzahlungen bei Lieferung von X Produkten, Strafzahlungen bei verspäteter Lieferung) oder Gewährleistungsansprüche (z.B. Nachlieferung bei mangelnder Qualität) geregelt werden. Der Smart Contract ist dann in der Lage, die Einhaltung dieser Bedingung selbstständig zu kontrollieren und entsprechende Handlungen vorzunehmen.

  1. Die ersten 30 Bauteile wurden geliefert und haben die Qualitätsprüfung bestanden – das hauseigene ERP System schickt diese Information zum Smart Contract und dieser veranlasst die vorher festgelegte Zahlung über 50 Prozent des Auftragswertes.
  2. Im nächsten Schritt erreichen das Unternehmen lediglich 20 Bauteile innerhalb der Lieferfrist und weitere zehn Bauteile am nächsten Tag – der Contract erkennt die Überschreitung der Lieferzeit und zieht wie vereinbart fünf Prozent als Vertragsstrafe vom Auszahlungsbetrag ab.
  3. Die restlichen 30 Bauteile werden zwar innerhalb der Frist geliefert, allerdings fallen fünf Bauteile durch die Qualitätsprüfung – der Smart Contract reklamiert die fehlerhaften Bauteile und bittet just in time um eine entsprechende Nachlieferung.
  4. Der für den Transport der Bauteile zuständige Logistiker kann ebenfalls in den Smart Contract eingeladen werden – er sieht nun in Echtzeit, dass er entsprechende Ressourcen für die Nachlieferung bereitstellen muss.

Die Einsatzmöglichkeiten von Smart Contracts sind äußerst vielfältig

Dies sind nur drei kleine Beispiele von unzähligen Einsatzszenarien eines Smart Contracts im B2B Umfeld. Da die Smart Contracts in der Blockchain liegen, können sie allen Beteiligten transparent zugänglich gemacht werden, ohne fremden Unternehmen direkten Zugriff auf interne Systeme geben zu müssen. So können im Rahmen einer laufenden Transaktion, zukünftig alle entstehenden Informationen an den Smart Contract angehangen werden. Dadurch erhält jeder Partner entlang der Wertschöpfungskette einen Überblick über den aktuellen Status des Prozesses und kann seine eigenen Ressourcen effizient planen.

In Situationen, in denen es rechtliche Streitigkeiten zwischen Unternehmen gibt, können Smart Contracts eine valide Grundlage für die Lösung ebendieser darstellen. Da alle Informationen, die den Vertrag betreffen, digital gespeichert und durch die Blockchain-Technologie manipulationssicher abgelegt sind, können Verstöße gegen Vertragsbedingungen jederzeit transparent nachvollzogen werden. Es ist dementsprechend damit zu rechnen, dass durch die Nutzung von Smart Contracts in der Blockchain eine höhere Rechtssicherheitentstehen wird. Smart Contracts können in fast allen Bereichen der Zusammenarbeit in B2B Märkten sinnvoll eingesetzt werden. So ergeben sich bspw. in den Bereichen Supply Chain Management, Maschinenservice oder Abfallmanagement zahlreiche Chancen und Möglichkeiten, effizientere Prozesse zu gestalten.

Smart Contracts sind also nicht „Smart“ im eigentlichen Sinne von intelligent. Smart Contracts verbinden viel mehr verschiedene Geschäftspartner auf einem smarten Weg. Transaktionsdaten können gesichert vor Manipulationen, dauerhalt an einer Stelle gespeichert werden, auf die alle Partner Zugriff haben. Es existiert also nur eine „Wahrheit“. Smart Contracts verbinden auch Prozesse smart. Definiert und initiiert im Einkauf, definieren sie die Kriterien zur Überwachung der Produktion oder der Leistungserfüllung und können nachgelagerte Prozesse wie Qualitätsmanagement, Gewährleistungsprüfung oder Bezahlung automatisieren.

mat

Druckversion